Anima Libri - Buchseele

Bücher, Bücher & noch mehr Bücher

Hauptsächlich aus dem Bereich Fantasy & Science Fiction

Kunterbunter historischer Lesespaß für Jung und Alt

Das Geheimnis des goldenen Salamanders - Renée Holler, Bernd Lehmann

Schon das liebevoll gestaltete Cover dieses Kinderbuchs gibt einen hervorragenden Vorgeschmack auf das, was den Leser zwischen den Buchdeckeln erwartet. Neben wunderschönen ganzseitigen Zeichnungen von Illustrator Bernd Lehmann, die das Buch sehr schön auflockern, ist auch die Geschichte von Alyss und Jack, die Autorin Renée Holler hier erzählt, wirklich zauberhaft.

 

Das Buch ist rundum kindgerecht, sowohl in Bezug auf die Gestaltung als auch in Bezug auf die Geschichte, aber das bedeutet nicht, dass es für erwachsene Leser nicht auch spannend ist, ganz im Gegenteil. Denn “Das Geheimnis des goldenen Salamanders” glänzt vor allem durch die unglaubliche überraschungsreiche Story. Genau wie Alyss nicht weiß, was sie in der Großstadt London eigentlich erwartet, weiß auch der Leser nicht, wo ihn die Geschichte hinführen wird und kann das auch zu keinem Punkt der Geschichte wirklich vorhersagen, wodurch die Geschichte wirklich spannend wird.

Natürlich ist auch der Stoff, aus dem die Geschichte gemacht ist, wirklich gut. Die Autorin versteht es das historische London mit einfachen Worten auf sehr atmosphärische Art und Weise lebendig werden zu lassen und die gesamte Szenerie ist sehr bildhaft beschrieben, sicherlich auch für Kids eine große Freude und eine fantastische Weise, spielerisch historische Fakten zu vermitteln.

Überhaupt ist dieses Buch ein einziger, riesiger Lesespaß. Es ist kunterbunt und spannend, voller Abenteuer und Faszination und dabei doch mit einem ernsten Kern, der hier aber so unterhaltsam verpackt ist, dass das Buch alles aber ganz bestimmt nicht belehrend wirkt. Ein Lesevergnügen für Jung und Alt, das sich kaum aus der Hand legen lässt.

Quelle: http://anima-libri.de/rezension/renee-holler-das-geheimnis-des-goldenen-salamanders

Wenig überzeugendes Fantasy-Flickwerk

Das Wispern der Schatten - Adam J. Dalton

Ich fürchte, dieses Buch war einfach nicht meins. Bücher, in denen Religion eine große Rolle sind, sind für mich sowieso ein zweischneidiges Schwert. Solche Geschichten können entweder richtig großartig sein oder die Sache geht völlig nach hinten los und das Buch wird eine Katastrophe.

 

Hier ging die Sache eindeutig eher nach hinten los, denn auch wenn ich den Anfang an sich nicht schlecht fand, gab es mir dort bereits zu viel Gerede von Makeln, Schuld und Sühne. Das wäre nicht allzu schlimm gewesen, immerhin dachte ich, dass Jillan auszieht, um sich von der Unterjochung der Erlöser zu befreien und sich zu emanzipieren oder etwas in der Art. Leider tut er das nicht wirklich und das schreckliche, pseudo-religiöse Geschwafel zieht sich durch die gesamte Geschichte.

Womit wir auch schon direkt beim zweiten Problem wären: Die Charaktere. Denn davon gibt es hier einen ganzen Haufen und so ziemlich jeder kommt auch mal zu Wort, das heißt es wird irgendwo ziemlich unübersichtlich. Und keiner war mir auf Dauer wirklich sympathisch.

Jillan ist an sich ja nicht schlecht, aber durch die mangelnde Entwicklung wird er relativ schnell langweilig und schlussendlich einfach nur nervig. Azual hingegen ist von Anfang an unendlich unsympathisch, wirkt aber dummerweise genau wie alle anderen ‘Bösewichte’ dieser Geschichte schrecklich klischeehaft und daher alles andere als wirklich überzeugend.

Was uns direkt zu Problem Nummer Drei bringt: Mehr als nur ein Element in dieser Geschichte wirkt auf mich wie ein schlechtes Klischee bzw, ein Element, dass der Autor von irgendwo anders her übernommen hat und dessen Einbau ihm nicht wirklich gut gelungen ist.

Alles in allem macht das dieses für mich zu einem ziemlichen Reinfall, denn Spaß hatte ich daran so gut wie gar keinen, alles in allem wirkt die Geschichte recht zusammengestückelt und die Charaktere wenig überzeugend, nicht empfehlenswert!

Quelle: http://anima-libri.de/rezension/adam-j-dalton-das-wispern-der-schatten/?preview=true

Unglaublich langweilige Umsetzung

Elixir  - Hilary Duff, Eva Müller-Hierteis

Mit diesem Buch konnte ich einfach so gar nichts anfangen. Zwar finde ich die Idee rund um das Elixir nicht schlecht, aber ansonsten ist das Buch einfach so dermaßen durchschnittlich, dass mir das Lesen nicht wirklich Spaß gemacht hat.

 

Das fängt schon mit Clea an. Sie ist reich, schön und blond und das war es im Grunde genommen auch schon. Sie ist nett und für den Leser ist es einfach die Geschichte aus ihrer Perspektive mitzuerleben, aber sie ist eben auch rundum simpel gestrickt. Nicht gerade, weil sie dumm wäre, aber sie ist so naiv wie so viele YA-Heldinnen und ihr fehlt eben jegliche Tiefe.

Mit Sage erging es mir ganz ähnlich, vor allem fehlte mir hier die Hintergrundinformation zu ihm, denn damit hält sich die Autorin wirklich zurück. Dadurch ist es mir unglaublich schwer gefallen wirklich irgendetwas mit ihm anzufangen. Auch er ist einfach so schrecklich glatt und ohne jede Tiefe, ein Phänomen, das sich generell durch dieses Buch zieht.

Den auch die Handlung ist schlicht und ergreifend glatt und ohne Kanten. Es gibt einen roten Faden, der ist eindeutig da, an der logischen Reihenfolge der Handlung hapert es auch nicht wirklich, wenn man einmal davon absieht, dass ich die Aktionen der Charaktere eher selten nachvollziehbar fand. Das Problem war eher, dass die Handlung einfach nur durch und durch vorhersehbar und dadurch ziemlich langweilig war.

Wirklich gut gefallen hat mir hingegen der Schreibstil der Autorin, der ist in der Tat sehr gut, liest sich flüssig und erzeugt, zumindest in der Theorie, erfolgreich eine sehr stimmungsvolle Atmosphäre. Leider kann das die Sache aber auch nicht mehr retten.

Alles in allem war ich nicht wirklich enttäuscht von diesem Buch, denn ich habe ehrlich gesagt kaum etwas von Hilary Duffs Roman erwartet, sodass meine Erwartungen auch nicht enttäuscht werden konnten, aber schade ist es schon, denn so wirklich Spaß hatte ich an “Elixir” leider nicht.

Quelle: http://anima-libri.de/rezension/hilary-duff-elixir

Astralprojektion mit etwas strangem Feeling

Auracle: Ein Mädchen, zwei Seelen, eine Liebe - Gina Rosati

Dieses Buch ist irgendwie, nun ja, in Ermangelung eines besseren Wortes, ‘strange’. Das gesamte Set-up inklusive Charaktere wirkte am Anfang irgendwie seltsam und war mir ziemlich suspekt, auch wenn ich keinen wirklichen Grund dafür nennen kann. Zwar sind Anna, Rei und Seth wirklich sympathisch und wirken von anfang an sehr realistisch, aber sie lassen sich einfach nicht einschätzen und dadurch ist es mir schwer gefallen mit ihnen warm zu werden.

 

Allerdings ist die Idee mit der Astralprojektion wirklich reizvoll und von der Autorin auch richtig ansprechend umgesetzt, sodass ich dieser ersten Distanziertheit zum Trotz weitergelesen habe und nach einer habe ich auch sehr gut in die Geschichte hinein gefunden, auch wenn ein wenig dieses strangen Gefühls die ganze Zeit über da geblieben ist.

Die Geschichte schwangt zwischen zwangloser Heiterkeit und melancholischer Gelassenheit, was manchmal einen etwas seltsamen Eindruck macht, alles in allem gelingt der Autorin die Balance allerdings relativ gut, sodass sich “Auracle” meist sehr locker und humorvoll lesen lässt. Allerdings hatte ich das Gefühl, dass die Autorin hier ein bisschen viel des Guten an Problematiken rein geworfen hat.

So haben Anna und Co. nicht nur mit 08/15 Teenagerproblemen zu kämpfen und müssen die Unschuld ihres Freundes beweisen und irgendwie Taylors Seele aus Annas Körper heraus befördern, sondern Anna muss gleichzeitig auch noch mit ihrem alkoholkranken und mehr oder minder gewalttätigen Vater fertig werden. Letzteres war irgendwie ein bisschen zu viel des Guten.

Alles in allem hat “Auracle” wirklich Spaß gemacht, aber ein paar Dinge waren eben einfach ‘strange’, sodass es nicht für die vollen fünf Sterne gereicht hat.

Quelle: http://anima-libri.de/rezension/gina-rosati-auracle-ein-madchen-zwei-seelen-eine-liebe

Locker, leichte Lektüre und gelungene Fortsetzung

Madison Avery - Der Tod trägt Turnschuhe - Kim Harrison

Während ich mit dem ersten “Madison Avery” Roman, “Totgeküsste leben länger”, so meine Probleme hatte, weil ich einfach ‘mehr’ erwartet hatte, bin ich mit diesem Band sehr viel besser klar gekommen, da ich wusste, worauf ich mich hier einlasse.

 

Wer Kim Harrisons Rachel Morgan Romane kennt und hier etwas Ähnliches auf gleichem Niveau erwartet, der wird wohl eher enttäuscht werden, denn Kim Harrisons Jugendbuchserie hat nicht unbedingt allzu viel Tiefgang und wirkt generell eher wie eine Light Version ihrer anderen Urban Fantasy Romane.

Das ändert aber nichts daran, dass auch die Madison Avery Serie amüsanten Lesespaß bereit hält, auch wenn der sich eindeutig an ein jüngeres Publikum richtet. Wenn man aber einmal weiß, worauf man sich eigentlich einlässt, ist auch dieses Buch wirklich unterhaltsam.

Vor allem, da sich der zweite Band dieser Serie sehr viel besser und glatter lesen lässt, als der erste. So wirken die Charaktere nicht nur reifer und erwachsener sondern vor allem auch vielschichtiger und realistischer. Sie fügen sich sehr viel besser in das gesamte Konzept der Geschichte ein, die daher nicht mehr so gewollt und erzwungen wirkt sondern sehr viel runder ist.

Und auch Action hält dieses Buch zur Genüge bereit. Die Idee hinter der Geschichte um Madison Avery finde ich sowieso richtig toll und Kim Harrison versteht es dieses Konzept spannend und faszinierend umzusetzen. Mit viel Humor und ordentlich Action geht es hier doch recht rasant zur Sache, sodass sich das Buch relativ schnell durchgelesen hat. Spaß macht es auf jeden Fall.

Alles in allem ist “Der Tod trägt Turnschuhe” eine rundum unterhaltsame Fortsetzung, in der sich die Geschichte im Vergleich zum ersten Band deutlich steigert. Leichte, lockere Lektüre, die einfach Spaß macht.

Quelle: http://anima-libri.de/rezension/kim-harrison-madison-avery-der-tod-tragt-turnschuhe

Unterhaltsame High Fantasy

Das Erwachen (Dunkle Götter, #1) - Michael G. Manning, Jürgen Langowski

Ich liebe High Fantasy. Leider ist es so verdammt schwierig gute Bücher dieses Genres aufzutun, da neue Ideen rar sind und es irgendwann naturgemäß ziemlich schwierig wird, die altbekannten Elemente innovativ umzusetzen. “Dunkle Götter: Das Erwachen” ist einer der wenigen Romane, bei denen besagte altbekannte Elemente erfolgreich spannend umgesetzt werden.

 

Der Ausgangspunkt der Geschichte ist ungefähr so klischeehaft, wie man ihn sich nur vorstellen kann und ich war die ersten hundert Seiten über wirklich recht skeptisch, was dieses Buch angeht.

Der letzte Überlebende eines großen Magiergeschlechts, Mort, wächst als Sohn eines Schmieds auf, ohne zu wissen wer er eigentlich ist. Als er 16 ist wird ihm wundersamerweise offenbart, dass er über große magische Fähigkeiten verfügt und auf geht’s ins Abenteuer. Dass Mort sich dabei mal eben selbst beibringt, wie er mit seinen Fähigkeiten umzugehen hat, ist dabei wohl kein Wunder.

Soweit so gut, glücklicherweise wird es aber echt besser. Das liegt hauptsächlich daran, dass ich Mort einfach unglaublich sympathisch fand. Ja, die Tatsache, das er innerhalb kürzester Zeit weiß, wie er mit seinen Fähigkeiten umzugehen hat, ist etwas nervig, aber ansonsten ist er einfach derjenige, der so richtig Schwung in die Geschichte bringt.

Das Buch legt ein schnelles Tempo vor, was auch daran liegt, dass die erzählte Zeit vergleichsweise kurz ist und nur ca. zwei Wochen umfasst, wenn ich mich nicht geirrt habe. Aber auch sonst geht es in dieser Geschichte ziemlich zur Sache, sodass sich die 352 Seiten ohne Probleme sehr zügig runter lesen lassen.

Eine Sache, die mich gestört hat, gab es allerdings doch noch. Denn irgendwie passt die Sprache nicht zum Setting. Das fällt weitestgehend gar nicht auf und ist auch denke ich, durch die gelungene Übersetzung im Vergleich zum Original schon besser geworden, aber gerade der Teil, der aus der Ich-Perspektive von Mort erzählt wird, enthält ein paar Begriffe, die nicht wirklich in das mittelalterlich angehauchte Setting passen.

Alles in allem macht es aber trotz einiger kleinerer Schwächen wirklich Spaß dieses Buch zu lesen und ich kann es nur empfehlen.

Quelle: http://anima-libri.de/rezension/michael-g-manning-dunkle-gotter-das-erwachen

Grandiose Fortsetzung

Im Schatten des Mondkaisers - Bernd Perplies

Schon der erste Teil dieser deutschen Dystopie-Jugendbuchserie, “Flammen über Arcadion”, hat mich wirklich sehr positiv überrascht und meine Erwartungen bei weitem übertroffen. Da ist die Angst, dass die Folgebände nicht mehr an diese Leistung anknüpfen können, natürlich immer groß. Glücklicherweise hat sich allerdings zumindest der zweite Band der Serie um Carya und Jonan schon mal als ebenfalls großartig herausgestellt und ich freue mich jetzt schon auf den dritten Band “Das geraubte Paradies”.

 

Dank des locker-luftigen Schreibstil des Autors ist es mir sehr leicht gefallen mich wieder in die Geschichte einzulesen und schon nach wenigen Absätzen flogen die Seiten nur so dahin. Dafür sorgt natürlich nicht nur der flüssige Schreibstil, sondern vor allem auch die erneut wirklich spannende Handlung.

So weist dieses Buch nicht nur einen echten, rundum gelungenen Spannungsbogen auf – verglichen mit dem, was sich sonst so unter dem Schlagwort YA-Dystopien tummelt, ist das traurigerweise schon mehr als der Durchschnitt aufweisen kann – sondern zieht den Leser vor allem durch die faszinierenden Überraschungen und Wendungen in seinen Bann. Die Handlung knüpft dort an, wo Band 1 abschloss, sie entwickelt sich allerdings nicht so, wie ich es erwartet hätte – und das ist nicht negativ gemeint. Ich hatte mir unter einigen Storyelementen einfach etwas anderes vorgestellt und wurde hier – durchweg positiv – von Perplies überrascht.

Auch die Charaktere bleiben sich treu. Sie entwickeln sich entsprechend ihrer Entwicklungen im ersten Band und ihrer Erfahrungen im zweiten Band weiter, bleiben dabei sehr realistisch, sodass es einem, bis auf einige wenige Ausnahmen, die erst rückblickend ins Konzept passen, leicht fällt, sich mit ihnen und allen voran Carya zu identifizieren, sodass es einfach Spaß macht sich an ihrer Seite erneut ins Abenteuer zu stürzen.

Alles in allem ist Autor Bernd Perplies mit “Im Schatten des Mondkaisers” eine rundherum gelungene Fortsetzung seiner Dystopie-Jugendbuchreihe gelungen, die nicht nur locker das Niveau des ersten Bandes halten kann, sondern auch ohne weiteres mit internationalen Werken dieses Genres konkurieren kann.

Quelle: http://anima-libri.de/rezension/bernd-perplies-im-schatten-des-mondkaisers

Eigentlich gute Story, bei der durch falsche Vermarktung der Lesespaß genommen wird

Das Testament der Jessie Lamb - Jane Rogers

Eine Zukunftsvision, in der es keine Zukunft mehr gibt: In der Welt von Jessie Lamb hat sich ein Virus ausgebreitet, dass bei schwangeren Frauen unweigerlich zum qualvollen Tod von Mutter und Kind führt. Eine Dystopie die nicht nur mit diesem düsteren und faszinierenden Konzept sondern vor allem auch mit der Tatsache punkten kann, dass es sich hier tatsächlich einmal nicht um den Auftakt zu einer Serie oder, oh Graus, einer Trilogie handelt.

 

So spannende Voraussetzungen. Und dann das: Irgendwie geht die ach so viel versprechende Idee hier völlig unter. Dass nicht so wirklich klar wird, wie weit Jessies Zeit denn von unserer entfernt ist, okay, damit hätte ich nicht wirklich ein Problem gehabt. Das wirkliche Problem war viel mehr, dass ich, gerade bei dystopischen Romanen, sehr großen Wert auf einen logisch durchdachten und detailreichen Hintergrund, eine nachvollziehbare Entwicklung von unserem Heute zum literarischen Jetzt, lege. Und genau das wird hier leider vollständig unter den Teppich gekehrt.

Das Muttertod-Syndrom, kurz MTS, ist ein Virus, der Löcher in die Gehirne von schwangeren Frauen frisst und damit nicht nur die betroffene Frau sondern auch den Embryo tötet. Doch woher kam das Virus? Wieso, weshalb, warum hat jemand ein solches Virus (un)absichtlich auf die Welt los gelassen? Fragen, die hier nicht beantwortet werden. Denn, und genau das ist der Punkt, der sich mir leider erst erschlossen hat, nachdem ich dieses Buch gelesen habe, im Grunde genommen ist “Das Testament der Jessie Lamb” überhaupt keine Dystopie.

Klar, es gibt ganz eindeutig ein dystopisches Setting und natürlich spielt MTS und Jessies Entscheidung wie sie damit umgeht und was sie tut “um die Menschheit zu retten” (weil das natürlich ein einfacher 08/15 Teenager auch mal eben so tun kann) steht im Zentrum der Geschichte, aber eigentlich ist das ganze doch nichts weiter als ein Familiendrama – Die Geschichte einer Familie, der Beziehungen zwischen den einzelnen Familienmitgliedern und vor allem den Folgen mangelnder Kommunikation.

Und genau das ist auch der Part, der hier eigentlich sehr gut umgesetzt wird. Denn auch wenn mir Jessie als Erzählerin, die ihre Geschichte weitest gehend rückblickend in Form eben dieses “Testaments” erzählt, nicht unbedingt sympathisch war, ist es eben genau dieser familiäre Part, den ich dieser Geschichte voll und ganz abkaufen kann. Im Gegensatz zu dem gesamten dystopischen Teil, der sich mir eben auf Grund des fehlenden Hintergrunds nicht immer wirklich erschlossen hat und den ich irgendwann auch einfach nicht mehr reizvoll fand, weil die Informationen fehlten, ist das familiäre Drama und die Beziehung zwischen Jessie und ihren Eltern hier sehr realistisch und vielschichtig dargestellt.

Alles in allem ist “Das Testament der Jessie Lamb” eigentlich ein wirklich gutes Buch und ich kann durchaus nachvollziehen, warum die Autorin damit Preise geholt hat, aber die Vermarktung setzt hier einfach auf den völlig falschen Aspekt der Geschichte, sodass bei den Lesern falsche Hoffnungen geweckt werden, die unweigerlich zu einer mehr oder minder großen Enttäuschung führen, da das Buch leider einfach nicht darauf ausgelegt ist, das zu halten, was die Inhaltsangabe verspricht. Das zumindest war mein Eindruck.

Quelle: http://anima-libri.de/rezension/jane-rogers-das-testament-der-jessie-lamb

Flammende Fortsetzung

Das Mädchen mit dem Flammenherz  - Kady Cross

Während ich mit dem ersten Band dieser Serie, “Das Mädchen mit dem Stahlkorsett”, ja so meine Probleme hatte, das mir vieles einfach sehr unausgereift erschien, hat mich “Das Mädchen mit dem Flammenherz” wirklich positiv überrascht.

 

Rein zeitlich gesehen, schließt die Handlung direkt an den ersten Band an. Allerdings hatte das Buch für mich von der ersten Seite an eine ganz andere Atmosphäre als der Vorgänger. Auch wenn ich auf Grund meiner Erfahrungen mit dem ersten Band etwas zurückhaltend war, haben mich Finlay Jayne und ihre Gang schnell in ihren Bann gezogen. Die Charaktere kommen hier deutlich lebhafter, vielschichtiger und realistischer rüber, wodurch es mir sehr leicht viel, mich an ihrer Seite in die Action zu stürzen.

Auch die gibt es in diesem Band nämlich endlich. Während ich beim ersten Buch immer wieder das Gefühl hatte, dass den eigentlich actionreichen Szenen irgendwie der Pepp fehlte, kommt hier tatsächlich Schwung auf. Nicht so viel wie ich mir gewünscht hätte, denn das Potential des Romans wird hier dann doch nicht vollständig ausgenutzt, im Vergleich zum ersten Band ist hier aber eine deutliche Steigerung zu bemerken.

Die Liebesgeschichte… Nun ja, die nervt mich noch immer. Allerdings ist der “Nerv-Faktor” hier doch deutlich zurück gegangen, was hauptsächlich daran liegt, dass mich die Art, auf die die Autorin typische Gesellschaftsnormen und -strukturen der viktorianischen Zeit hier eingebaut hat, sehr gereizt hat. So steht hier nicht nur die eine oder andere Beziehung auf Grund von Ständeunterschieden vor ernsthaften Schwierigkeiten, auch die Mädchen haben mit dem viktorianischen Frauenbild zu kämpfen.

Das sind so die kleinen aber feinen Details, die die Szenerie regelrecht lebendig werden lassen und dank derer es mir richtig viel Spaß macht solche Geschichten zu lesen.

Alles in allem ist “Das Mädchen mit dem Flammenherz” von Kady Cross zwar nicht perfekt, aber eine eindeutige Steigerung im Vergleich zum ersten Band und ich hatte wirklich großen Spaß beim Lesen!

Quelle: http://anima-libri.de/rezension/kady-cross-das-madchen-mit-dem-flammenherz

Etwas durchwachsene Fortsetzung

Enders  - Lissa Price, Birgit Reß-Bohusch

Ich habe mich wirklich sehr auf “Enders”, die Fortsetzung und den Schluss von “Starters”, gefreut, hatte allerdings ein paar kleinere Probleme wieder in die Geschichte hinein zu finden, einfach weil es eben doch schon eine ganze Weile her ist, dass ich “Starters” gelesen habe. Glücklicherweise sind die Erinnerungen schon nach wenigen Seiten zumindest größtenteils wieder zurück gekommen, denn Callie fasst die Geschehnisse des ersten Bandes noch einmal kurz zusammen.

 

Dadurch wusste ich zwar wieder worum es ging, dummerweise bin ich trotzdem ziemlich verwirrt durch die ersten 100 Seiten gestolpert. Denn irgendwie war das ganze ein furchtbares Auf und Ab, in dem der rote Faden eher spärlich zu erkennen war und ich hatte die ganze Zeit über das Gefühl, dass ein paar entscheidende Elemente und Fakten fehlen. Nach einer Weile nimmt die Geschichte jedoch wirklich Fahrt auf, wird richtig spannend und rasant und ich konnte das Buch kaum beiseite legen.

Trotzdem hatte ich das gesamte Buch über das Gefühl, das etwas fehlt. Das lag hauptsächlich an Callie, aus deren Sicht die Geschichte erzählt wurde, denn die wirkte doch sehr gefühlsleer. Generell wirkte die gesamte Geschichte sehr viel konstruierter als der erste Band und die Gefühle, und damit meine ich definitiv nicht nur die romantischen sondern Gefühle generell, kommen hier eindeutig zu kurz. Dadurch wirkte die gesamte Geschichte sehr kühl und auch wenn die Handlung eigentlich wirklich spannend war, war eben leider doch die ganze Zeit über so eine gewisse Distanziertheit da.

Auch den Schluss fand ich, nicht nur als Schluss für dieses eine Buch sondern vor allem als Schluss für die gesamte Serie, denn es ist ja nur eine Dilogie, irgendwie ziemlich unbefriedigend. Durch den Mangel an realistischen Gefühlsregungen wirken viele Handlungen und Gedanken nur wenig nachvollziehbar und das führt dazu, dass auch das Ende wieder diesen etwas chaotischen, sehr konstruierten Charakter hat, den das Buch schon zu Anfang hatte.

Schade, aber auch wenn ich “Enders” sehr schnell durch hatte, war ich doch etwas enttäuscht von dieser Geschichte und ihrem Ausgang.

Quelle: http://anima-libri.de/rezension/lissa-price-enders

Zäh und ziemlich un-magisch

Das Mädchen aus dem Meer - Rebecca Hohlbein

Wolfgang Hohlbein stehe ich ja mit sehr gemischten Gefühlen gegenüber. Ein paar seiner Bücher finde einfach absolut großartig, ein paar total grauenhaft. Und weil ich eben auch nur ein Mensch bin, stand ich auch den Werken seiner Tochter Rebecca Hohlbein erstmal sehr skeptisch gegenüber. Mit “Himmelwärts” hat sie mich dann aber unglaublich faszinieren können, weshalb ich mich dementsprechend auch sehr auf “Das Mädchen aus dem Meer” gefreut habe. Leider hat sich das allerdings als wenig faszinierend herausgestellt.

 

Zuerst einmal fand ich die Inhaltsangabe sehr irreführend, denn von “Göttern” im magisch-mythologischen Sinne kann hier beim besten Willen keine Rede sein. Ja, Protagonist Froh, dessen wahren Namen wir nie erfahren, hält Chita lange für eine Göttin, liegt damit aber völlig falsch, denn eigentlich ist sie genauso normal und menschlich und nicht-magisch wie er. Generell gibt es hier in dem Sinn keine Magie, lediglich eine Welt, in der sich die Menschen ganz unterschiedlich entwickelt haben.

So erinneren Froh und seine Art zu leben sehr an indigene Völker unserer Welt, mit einem starken Glauben an Naturgottheiten und ohne wissenschaftliche Kenntnisse über ihre Welt, weshalb sie einen vergleichsweise primitiven Lebensstil haben. Ganz anders Chita, die auf einem anderen Kontinent lebt, in einer Gesellschaft, die ein wenig an die ägyptische Hochkultur erinnert, technisch und wissenschaftlich sehr weit fortgeschritten ist, gleichzeitig aber eben doch gedanklich ziemlich mittelalterlich ist.

An sich ein nicht uninteressantes Konzept nur leider hat mir die Umsetzung einfach absolut gar nicht gefallen. Denn im Grunde genommen ist der Großteil der Geschichte ein Rückblick. Froh fischt Chita aus dem Meer und sie fängt an ihm ihre Geschichte zu erzählen. So spielt immer ein Kapitel in Frohs Fischerboot, in der Gegenwart, und eins in der Vergangenheit, erzählt von Chita.

Die war mir dabei einfach nur unsympathisch. Eigentlich sollte man meinen, dass die Chita in Frohs Boot aus den Ereignissen, von denen sie erzählt, gelernt hat und nicht mehr das egozentrische, verwöhnte und völlig naive Biest vom Beginn ihrer Erzählungen ist, aber Fehlanzeige. Sie kommt im Gespräch mit Froh wahnsinnig unsympathisch rüber und ich konnte einfach gar nichts mit ihr anfangen. Auch die Art, in der sie ihre Geschichte erzählt, hat mir nicht gefallen, ihre Übertreibungen und Ausschweifungen machen sie nicht nur zu einer rundum unzuverlässigen Erzählerin, sondern lassen sie auch schrecklich hochnäsig wirken.

Froh war da zugegebener Maßen etwas besser, allerdings bekommt man von ihm auch nicht allzu viel mit. Denn abgesehen von einigen wenigen Kommentaren, die sich an einer Hand abzählen lassen, die er in Chitas Erzählung einwirft, und den Kapiteln auf seinem Boot, in denen er zwar nicht der Ich-Erzähler ist, die aber zumindest aus seiner Sicht erzählt werden, kommt er überhaupt nicht zu Wort. Daher hatte ich einfach das Gefühl, dass ihm jegliche Tiefe fehlt, wodurch ich nicht wirklich etwas mit ihm anfangen konnte.

Generell habe ich mich immer wieder gefragt, was eigentlich der Punkt dieser Geschichte ist, denn die Handlung zieht sich stellenweise bis ins Unerträgliche. Ja, es gibt spannende und interessante Punkte, aber die sind relativ weit verstreut und die langen Strecken dazwischen zäh und nervtötend. Auch die Tatsache, dass ich mit Chita einfach partout nicht warm geworden bin, hat natürlich erheblich dazu beigetragen, dass ich stellenweise doch sehr mit der Geschichte zu kämpfen hatte.

Alles in allem hat mich “Das Mädchen aus dem Meer” doch ziemlich bitter enttäuscht. Die Idee fand ich gut, die Erzählweise eigentlich auch nicht schlecht, da doch recht innovativ, nur leider hat mir hier die Protagonistin einen Strich durch die Rechnung gemacht, denn die war in meinen Augen weitestgehend unsympathisch. Lesen lässt sich Rebecca Hohlbeins neuster Roman, viele wird er bestimmt auch mit seiner spannenden Welt in seinen Bann ziehen können, mir hat es aber einfach keinen Spaß gemacht.

Quelle: http://anima-libri.de/rezension/rebecca-hohlbein-das-madchen-aus-dem-meer

Düster und magisch!

Beautiful Creatures - Eine unsterbliche Liebe  - Kami Garcia

Um meinem eigenen Vorsatz treu zu bleiben, keine Literaturverfilmungen zu schauen, ohne vorher das zugehörige Buch gelesen zu haben, habe ich mich, trotz einiges Widerwillens, auch an “Beautiful Creatures” versucht. Widerwillig, weil ich mich vor ewigen Zeiten schon einmal am englischen Original versucht habe und damals keine 50 Seiten weit gekommen bin. Warum kann ich gar nicht mehr sagen, aber das hat es mir jedenfalls sehr schwer gemacht, mit diesem Buch warm zu werden. Dabei hat sich “Beautiful Creatures” als wirklich klasse herausgestellt und jetzt bin ich noch gespannter als eh schon auf die Verfilmung.

 

Der erste deutliche Unterschied, der dieses Buch im Vergleich zu anderen 08/15-YA-Fantasy-Romanzen auszeichnet, ist die Tatsache, dass es hier einmal keine ProtagonistIN gibt, sondern der Hauptcharakter, aus dessen Sicht die Geschichte erzählt wird, männlich ist. Einerseits finde ich es toll, dass man hier endlich einmal ein wenig Abwechslung geboten bekommt, andererseits hat es mir das schwierig gemacht, mich in die Geschichte einzulesen, da ich eine ganze Weile gebraucht habe, um mit Ethan warm zu werden.

Nachdem ich mich aber einmal an die Perspektive dieser Geschichte und an ihren Protagonisten gewöhnt hatte, hat “Beautiful Creatures” wirklich richtig viel Spaß gemacht. Zum einen natürlich deshalb, weil ich Ethan, nachdem er mir einmal sympathisch wurde, wirklich durch und durch sympathisch fand. Und zum anderen vor allem deshalb, weil ich das gesamte Südstaaten Setting sehr faszinierend fand. Ein wenig hat natürlich auch das gesamte Magie-/Hexensystem zu meiner Begeisterung beigetragen.

Ein wenig hat mich “Beautiful Creatures” irgendwie an “Twilight” erinnert, nur eben mit gewechselten Seiten, da Ethan hier der 08/15-Teenager-Außenseiter ist während Lena das geheimnisvolle, zwischen Gut und Böse gefangene, übernatürliche Wesen ist. Glücklicherweise allerdings hat “Beautiful Creatures” dann doch deutlich mehr Tiefgang, eine eindeutig düsterere Atmosphäre, eine komplexere Handlung und vielschichtigere Charaktere, sodass sich dieser Vergleich dann doch schnell wieder verliert.

Alles in allem hat mir “Beautiful Creatures”, entgegen meiner Erwartungen und trotz anfänglicher Skepsis gegenüber Ethan, wirklich sehr gut gefallen und ich kann es gar nicht erwarten den zweiten Band zu lesen sowie den Film zu sehen. Auf jeden Fall eine dicke Empfehlung für alle Fans von YA-Urban Fantasy, bei denen es auch gerne einmal etwas düsterer sein darf.

Quelle: http://anima-libri.de/rezension/kami-garcia-und-margaret-stohl-beautiful-creatures-eine-unsterbliche-liebe

Leider nicht mein Fall

Madison Avery - Totgeküsste leben länger - Kim Harrison

Seit ich vor Jahren den ersten Band von Kim Harrisons mittlerweile 10-bändiger Rachel Morgan Serie gelesen habe, bin ich ein Riesenfan der Autorin. Ihre Urban Fantasy Romane haben mich allesamt begeistert, obwohl ich bei Serien oft nach den ersten zwei oder drei Bänden einfach die Lust verliere. Deshalb war ich auch lange skeptisch, ob ich ihre Jugendbuchserie “Madison Avery” lesen soll, habe mich letztendlich aber doch an den ersten Band “Totgeküsste leben länger” gewagt. Und wurde leider enttäuscht.

 

Versteht mich nicht falsch, dieser Serienauftakt und die Geschichte um die 17-jährige Madison Avery ist nicht schlecht, kann in meinen Augen aber einfach nicht mit den Romanen um Rachel Morgan mithalten, vor allem qualitativ. Ein wenig hatte ich den Eindruck, dass die Autorin hier von allem eine “Light-Version” geschaffen hat, um ihre Geschichte Jugendbuch-tauglich zu machen.

Inhaltlich ist diese Serie dabei in keinster Weise mit der “Rachel Morgan”-Serie zu vergleichen, aber es waren die technischen Dinge, die mich an letzterer so begeistert haben, die ich hier weitestgehend vermisst habe. Dazu gehören vor allem der ausgeklügelte Wortwitz, die liebenswerten Charaktere und die spannende Welt, die die Autorin erschafft.

Die Sache mit dem Wortwitz mag auf die Übersetzung zurück zu führen sein, denn gerade die Reime, die einer der Charaktere, Schutzengel Grace, des öfteren von sich gibt, wirken unbeholfen und kommen im Original vermutlich deutlich besser rüber. Aber auch sonst wirkt die Ausdrucksweise der Charaktere, allen voran Madison selbst, teils sehr gestelzt und der Witz erzwungen, als wäre man hier krampfhaft um ein jugendliches Flair bemüht gewesen.

Und genau darunter leiden auch die Charaktere. Denn eigentlich war mir Madison wirklich sympathisch, ich konnte mich prima in ihre Situation hineinversetzen und mit ihr mitfühlen und auch die anderen Charaktere an sich waren interessant. Aber leider wirkten sie stellenweise eben alle gestelzt, erzwungen und krampfhaft auf YA-Material getrimmt.

Die Welt, bzw. generell der Inhalt/Hintergrund der Story, haben mir an sich richtig, richtig gut gefallen. Die Thematik ist einmal etwas ganz anderes, innovativ, aufregend und interessant und eigentlich auch ganz gut umgesetzt. Aber mir fehlte auch hier die Tiefe und an einigen Stellen einfach auch die Details. Teilweise hatte ich das Gefühl, mir würden wichtige Infos fehlen, die aus irgendeinem Grund als gegeben vorausgesetzt wurden, vllt. einfach rausgekürzt wurden, ich weiß es nicht.

Das alles klingt jetzt sehr viel schlimmer als es wirklich ist, denn im Grunde genommen hat es Spaß gemacht, “Totgeküsste leben länger” zu lesen und ich werde auch den zweiten Band, “Der Tod trägt Turnschuhe”, lesen, aber für mich reicht es hier einfach nicht für mehr als eine ganz unterhaltsame Zwischendurch-Lektüre.

Fazit: “Totgeküsste leben länger” ist der humorvolle und spannende Auftakt zu Kim Harrisons Jugendbuchserie Madison Avery und für viele, gerade jüngere, Leser bestimmt durchaus lesenswert, im Vergleich zur Rachel Moragn Serie der Autorin für mich aber qualitativ eine Enttäuschung.

Quelle: http://anima-libri.de/rezension/kim-harrison-madison-avery-totgekusste-leben-langer

Düster-spannende YA Urban Fantasy

Darkest Powers: Schattenstunde: Roman (Knaur TB) - Kelley Armstrong

Mit “Schattenstunde”, dem Auftakt ihrer Darkest Powers Trilogie, wagt sich Urban-Fantasy-Kultautorin Kelley Armstrong erstmals ins Jugendbuchgenre. Und man merkt diesem Buch eindeutig an, dass die Autorin bereits auf reichlich Erfahrung in diesem Genre zurückblicken kann, denn die Art, mit der sie die fantastischen Elemente in die Geschichte einwebt, ist gekonnt und routiniert.

 

Dadurch ist es auch kein großes Wunder, dass die Autorin es schon nach wenigen Seiten schafft, den Leser in den Bann ihrer Geschichte zu ziehen. Denn an der Seite von Chloe, die auf Grund ihrer Fähigkeit Geister sehen zu können, seit Jahren von einem Arzt zum anderen geschleppt wird und schlussendlich in Lyle House, einem Heim für verhaltensauffällige Jugendliche, landet, taucht der Leser schnell in eine abenteuerlich düstere Geschichte ein, die zum einen durch die spannenden fantastischen Elemente und zum anderen durch liebevoll und detailreich gezeichnete Charaktere auszeichnet.

So ist mir nicht nur Chloe schnell ans Herz gewachsen, sondern auch die anderen Bewohner von Lyle House haben allesamt vor allem durch ihre Individualität geglänzt und dadurch, dass die Autorin genau das richtige Maß an typischem Teenager-Drama in ihre Figuren einfließen lässt.

Leider hat das verhindern können, dass man “Schattenstunde” ganz stark anmerkt, dass es der Auftakt zu einer Trilogie ist. So bleiben leider nicht nur zum Ende hin quasi alle Fragen offen, sondern es fehlt auch der wirkliche Höhepunkt zum Schluss, besonders da die Geschichte im letzten Drittel ein wenig gestreckt und dünn wirkt.

Alles in allem ist “Darkest Power: Schattenstunde” ein spannendes, wenn auch recht düsteres Jugendbuch aus dem Urban Fantasy Bereich, dem man als ersten Band einer Trilogie allerdings den “Prolog-Charakter” sehr stark anmerkt, sodass es sich hier empfiehlt zumindest den zweiten Band direkt parat zu haben.

Quelle: http://anima-libri.de/rezension/kelley-armstrong-darkest-power-schattenstunde

Düster-magischer Leseurlaub auf Kreta

Die Prophezeiung der Götter - Daniela Ohms

Das Buch hat mich vor allem erstmal durch das wunderschön illustrierte Cover begeistert. Als ich dann gelesen habe, dass es nicht nur auf Kreta spielt, sondern es auch noch um Mythologie geht, konnte ich gar nicht anders als das Buch unbedingt lesen zu wollen. Und Daniela Ohms hat es auch nach nur wenigen Seiten geschafft mich in den Bann ihrer Geschichte zu ziehen.

 

Die Geschichte beginnt damit, dass der Leser Eleni und ihre Familie, bestehend aus ihrer älteren Schwester, ihrer Mutter und ihrer Großmutter (ja, die Männer in dieser Familie machen sich seit je her ein wenig rar), kennen lernt, die von Berlin nach Kreta ziehen. Zwar schiebt die Mutter ihre Arbeit als Archäologin als Grund für den Umzug vor, aber eigentlich wissen alle ganz genau, dass sie wegen Eleni und den seltsamen Vorkommnissen rund um das junge Mädchen umziehen müssen. Denn Eleni schlafwandelt und tut seltsame Dinge, während sie schläft.

Dass es mit Elenis Schlafwandlerei mehr auf sich hat, wird schnell klar, kaum dass die kleine Familie auf Kreta angekommen ist. Und irgendwie hängt das ganze wohl auch mit der Tempelruine, an der Elenis Mutter arbeitet zusammen. Dann lernt Eleni auch noch Philine kennen, eine junge Griechin in ihrem Altern, die genau wie Eleni von einem mystischen Geheimnis umgeben ist. Und gemeinsam machen sich die Mädchen daran das Geheimniss ihrer Herkunft auf zu decken.

“Insel der Nyx” ist ein Kinderbuch, was sich einfach durch das Alter der Hauptperson Eleni zeigt und eben auch dadurch, dass sie mit den ganz alltäglichen Problemen eines Pre-Teen-Mädchens zu kämpfen hat. Der eine, große Vorteil, der dadurch zustande kommt: Die weit weniger ausschweifende Liebesgeschichte. Ja, es gibt eine, bzw. eigentlich drei (oder sogar fünf) Liebesgeschichten, denn jedes der drei Mädchen, die in dieser Geschichte eine Rolle spielen, Eleni, ihre große Schwester und ihre neue Freundin Philine (und auch Mutter und Großmutter), verliebt sich im Laufe der Geschichte, aber das ganze bildet lediglich eine Hintergrundhandlung und drängt sich nicht so sehr ins Zentrum der Geschichte, wie es oft bei Jugendbüchern der Fall ist.

Im Vordergrund steht hier, ganz klar, die Mythologie. Und die spannenden Auswirkungen, die diese auf Eleni und Philine hat. Während das ganze anfangs unglaublich spannend ist und man als Leser nur so mitfiebert, während langsam aber sicher erste Geheimnisse aufgelöst werden, kommt irgendwann der Punkt, an dem sich Ohms anfängt in der immer ausschweifenderen Mythologie zu verrennen.

Zwar ist “Die Prophezeiung der Götter” nur der erste Band einer Serie, aber dieses Wissen hat mir leider nicht darüber hinweg geholfen, dass ich zum Ende der Geschichte hin irgendwann einfach nicht mehr wusste, worum es eigentlich geht. Zwischen all der Dramatik, der immer weiter steigenden Charakterzahl und den Ausschweifungen in die Mythologie, geht der rote Faden einfach irgendwann verloren. Die Handlung hat zum Ende hin teilweise recht zusammenhanglos auf mich gewirkt, was schade ist, denn die ersten drei Viertel des Buchs und auch die Idee dahinter waren einfach toll.

Alles in allem ist Daniela Ohms Kinderbuch eine wirkliche schöne Geschichte, die sich leider zum Ende hin verliert, hier bleibt abzuwarten, wie der Folgeband wird. Auf jeden Fall macht es, trotz des wirren Endes, Spaß das Buch zu lesen und das Lesen macht richtig Lust darauf, den nächsten Urlaub auf Kreta zu verbringen ;)

Quelle: http://anima-libri.de/rezension/daniela-ohms-insel-der-nyx-die-prophezeiung-der-gotter

Düster, spannend und einfach faszinierend

Wir sind verbannt  - Megan Crewe

Gut ein Jahr habe ich auf dieses Buch gewartet, denn die englische Originalversion fand ich wirklich toll und ich wollte das Buch unbedingt auch in der deutschen Übersetzung lesen. Und habe dann natürlich erst einmal völlig verpasst, dass das Buch im Februar erschienen ist… Hier aber nun meine Rezension dazu:

 

Zuerst einmal, dieses Buch ist in Form eines Tagebuchs geschrieben! Etwas, was ich normalerweise wirklich gar nicht ausstehen kann. ABER ich muss sagen, dass es in diesem Fall einfach perfekt gepasst hat. Das Format, dass die Autorin aus gewählt hat, ist optimal für die Geschichte, die Crewe hier erzählt und ich denke nicht, dass dieser Roman so intensiv gewesen wäre, wenn sie sich für einen ganz gewöhnlichen Erzählstil entschieden hätte.

Zu Beginn des Romans habe ich nicht gedacht, dass das so wirklich funktionieren würde. Das Tagebuch wird von der 16-jährigen Kaelyn geschrieben und zwar in Form von Briefen an ihren ehemaligen besten Freund, der ihre Heimatinsel vor einigen Jahren verlassen hat. Die Briefe beginnen als von Schuldgefühlen gequälte Erinnerungen an eine lang vergangene Freundschaft und ich muss zu geben, dass ich damit einige Probleme hatte. Es war einfach nicht besonders faszinierend.

Glücklicherweise ändert sich das aber schnell, denn bald geschehen seltsame Dinge auf Kaelyns Insel. Als Leser erfährt man selbst nur das, was auch Kaelyn mitbekommt und genau hier entwickelt sich der Reiz der Erzählart, die Crewe gewählt hat. Denn einerseits ist Kaelyn eine aufmerksame Beobachterin und eine der ersten, die merken, dass etwas nicht stimmt, andererseits ist sie eben nur ein junges Mädchen, das von vielem erstmal nichts erfährt. So erhält man auch als Leser immer nur einzelne Informationshappen und fiebert mit Kaelyn der Auflösung entgegen.

Crewe gelingt dabei die Balance zwischen Kaelyns Teeny-Ich und dem dämmernden Bewusstsein, dass etwas falsch ist, hervorragend und im Gegensatz zu vielen anderen YA-Heldinnen hatte ich hier nie das Bedürfnis ihr eins überzuziehen, weil sie sich einfach unnatürlich blöd anstellt und absolut offensichtliche Dinge übersieht. Im Gegenteil, der Autorin gelingt, nicht zuletzt durch den mir sonst so unsympathischen Erzählstil, die überaus realistische Darstellung einer sympathischen Heldin.

Dadurch gewinnt die gesamte Geschichte an Tiefe und Intensität und wird immer greifbarer je mehr sich die Situation auf der Insel verschlechtert. Es gibt dadurch auch einige wirklich sehr düstere Szenen, die der Geschichte aber nur mehr Tiefe geben, denn ohne solche Stellen, ohne die Augenblicke, in denen Kaelyn der Kampf ums Überleben und die Angst um ihre Mitmenschen einfach zu viel werden, wäre das Buch nicht halb so realistisch.

Das Buch wird dadurch zwar an einigen Stellen recht düster und ist mir zumindest zwischendurch auch sehr nahe gegangen, die Geschichte ist aber nicht deprimierend, denn Kaelyn ist alles in allem eine sehr positive und lebensfrohe Person, die ihren Lebenswillen trotz aller Zweifel nicht verliert. Und das wird auch in ihren Tagebucheinträgen/Briefen deutlich.

Auch die restlichen Personen in dieser Geschichte tragen viel zur Atmosphäre des Buchs bei wodurch immer wieder amüsante, romantisch aber auch traurige Momente entstehen. Dadurch dass diese anderen Charaktere nur durch Kaeylins Beschreibungen charakterisiert werden, entwickeln sie ganz unterschiedliche Tiefen und sind mir als Leser dadurch auch ganz unterschiedlich nah ans Herz gewachsen. Alles in allem fand ich sie allerdings durchweg gut gezeichnet und sehr passend.

Alles in allem und für alle, die das meinen bisherigen Ausschweifungen noch nicht entnehmen konnten: Ich finde dieses Buch einfach toll und halte es für wirklich gelungen. Also, geht und besorgt euch ein Exemplar und wenn ihr wollt, lest mein Interview mit Autorin Megan Crewe ;)

Quelle: http://anima-libri.de/rezension/megan-crewe-wir-sind-verbannt

Ich lese gerade

Silber - Das erste Buch der Träume: Roman
Kerstin Gier