Rezension zu Gebannt: Unter fremdem Himmel von Veronica Rossi

Gebannt: Unter fremdem Himmel  - Veronica Rossi, Franca Fritz, Heinrich Koop, Carolin Liepins

Aria lebt in Reverie, einem der Biosphären, in sich geschlossene Ökosysteme, in denen die Menschen ohne Kontakt zur Außenwelt leben können. Aria interagiert mit anderen Menschen hauptsächlich über die Welten, digitale Welten, in die sich die Menschen mit einem einzigen Gedanken einloggen können und wo, laut Werbeslogan, alles besser als real ist. Durch diesen technischen Fortschritt wird direkter Kontakt zu anderen Menschen (physisch wie emotional) zu einer Seltenheit. Das Leben außerhalb der Biosphäre ist für Aria und ihre Freunde kaum vorstellbar und keiner von ihnen denkt besonders gut über die Menschen von außerhalb, weshalb sie sie auch „Barbaren“ nennen.

Perry ist ein Jäger und der Bruder des Anführers eines Barbaren-Stammes. Als Sohn eines Witterers und einer Seherin, ist er die einzige Person, die zweifach gezeichnet ist, die einzige Person, mit zwei dieser vererbbaren Gaben. Für ihn sind Aria und die anderen “Maulwürfe” verwöhnt und verweichlicht…

Eins der besten Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe! Es war für mich wahnsinnig faszinierend Aria auf ihrem Weg in die Wildnis zu folgen und sie auf diesem Weg zu begleiten. Im Gegensatz zu vielen anderen „Heldinnen“ gehört Aria weder zu denen, denen auf Anhieb alles gelingt, was sie anfassen, noch zu denen, die sich immer nur von anderen retten lassen. Sie ist zwar gut, was das Leben in der Wildnis angeht, wäre ohne Perry allerdings auch ziemlich aufgeschmissen. Sie steckt voller Selbstzweifel und Angst, was ihren Weg angeht, im Hinterkopf immer all das, was ihr im Pod über die Außenwelt eingebläut wurde. Gleichzeitig ist sie aber auch voller Entschlossenheit ihre Mutter wiederzufinden und die Wahrheit über sich und die Geheimisse der Pods aufzudecken, was ihr die Kraft gibt, immer weiter zu gehen.

Perry war mir ebenfalls auf Anhieb sympathisch. Als geborener Anführer liegt es ihm im Blut das bestmögliche für seinen Stamm zu tun. Doch sein eigener Bruder, der als der Ältere von ihnen der Anführer des Stammes ist und den Perry nur durch einen Kampf auf Leben und Tod von seinem Posten verdrängen konnte, steht ihm in dieser Hinsicht im Weg. Denn er scheint etwas ganz anderes mit dem Stamm vorzuhaben und die drohende Gefahr nicht wahrzunehmen. Perry ist innerlich zerrissen, hin- und hergerissen zwischen seiner Liebe zum Stamm und der Loyalität gegenüber seinem Bruder, doch mit der Entführung seines Neffens, für die er sich die Schuld gibt, bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich auf den Weg zu machen, um seinen Neffen wiederzufinden.

Auch die Beziehung zwischen den Beiden fand ich wirklich gut, denn Rossi schafft es die ganze Entwicklung, inklusiver anfänglicher Skepsis und Abneigung, vollkommen realistisch zu schildern, ohne dass irgendetwas daran überstürzt oder konstruiert wirkt. Ich konnte Perry zwischenzeitlich beinahe mit den Zähnen knirschen hören, wenn er sich mühsam am Zügel reißen muss, um Aria nicht einfach eine zu scheuern, weil sie ihre Zunge mal wieder nicht im Zaum halten kann. Und durch die von Kapitel zu Kapitel wechselnde Sichtweise erlebt man diese gesamte Entwicklung, die ja sowohl jeweils innerhalb der beiden Hauptpersonen als auch zwischen ihnen stattfindet, als Leser noch intensiver.

“Gebannt: Unter fremdem Himmel” ist in meinen Augen ein ganz besonderes Buch. Obwohl die Brutalität der Welten, in denen Aria und Perry leben, schon früh sehr deutlich wird, ist das Buch nicht allein auf diesen Aspekt beschränkt, da die Beziehung zwischen den beiden Protagonisten (die sich im Übrigen erst im letzten Drittel zu wirklicher Liebe weiterentwickelt) dem Ganzen ein wenig die Härte nimmt, ohne aber die Geschichte zu verweichlichen oder zu verkitschen, und dem Buch durch diese Beziehung und durch all die anderen wirklich gut ausgearbeiteten zwischenmenschlichen Beziehungen sehr viel Tiefe verliehen wird.

Ich habe die Geschichte mittlerweile viermal gelesen, erst als Galley, dann eBook, dann noch als Buch und zu guter letzt natürlich auch noch einmal in der deutschen Version. Daher kann ich dieses Buch nur voller Überzeugung an jeden weiterempfehlen ;)

Quelle: http://anima-libri.de/rezension/veronica-rossi-gebannt-unter-fremdem-himmel