Rezension zu Die Flammen der Dämmerung von Peter V. Brett

Die Flammen der Dämmerung  - Peter V. Brett, Ingrid Herrmann-Nytko

Ob im englischen Original oder in der deutschen Übersetzung: Nach den wirklich genialen ersten beiden Bänden war dieses Buch für mich echt eine ziemliche Enttäuschung. Das lag hauptsächlich an den weiblichen Hauptcharaktern, die allesamt im Laufe der Geschichte immer nervtötender, idiotischer und unerträglicher wurden – sowohl Renna und Leesha, als auch Inevera.

Dazu kam noch, dass mich die Struktur der Geschichte ziemlich genervt hat. Zuerst wechselte die Perspektive zwischen dem Blickwinkel von Arlen und Renna sowie Rückblicken in die Vergangenheit von Inevera. Gleichzeitig gab es aber auch immer wieder Ausschnitte aus Ineveras aktueller Perspektive, was an sich schon irgendwie verwirrend war. Dann verschwanden Arlen und Renna allerdings erstmal von der Bildfläche und wurden durch Ahmann Jardir und Abban – sodass nur noch eine Seite der Geschichte erzählt wurde – ersetzt, bis irgendwann die Rückblenden vorüber waren, Ineveras Vorgeschichte also komplett erzählt war, und die gesamte Handlung in der Gegenwart angelangt war, sodass die Perspektive dann zwischen Arlen, Renna, Leesha, Rojer, Jardir und Abban wechselte – und möglicherweise auch weiteren Leuten, die mir nicht mehr einfallen.
Diese Rückblenden in Ineveras Vergangenheit waren einfach genial. Sie waren spannend und faszinierend und haben einen ganz neuen Einblick ermöglicht. Die junge Inevera war mir unheimlich sympatisch und während des ersten drittel des Buchs leicht der Charakter, der mich am meisten in seinen Bann gezogen hat – danach habe ich irgendwann angefangen sie einfach nur noch zu hassen. Die junge Inevera wirkte so ganz anders, als die, die man als Leser in den ersten beiden Bänden kennen gelernt hat und die ja auch hier parallel zu den Rückblenden immer wieder auftauchte, so dass es mir schwer fiel, die beiden unter einen Hut zu bringen. Nachdem jedoch erstmals diese ganze “Jardir ist der Erlöser” Sache auftauchte, machte Inevera innerhalb kürzester Zeit eine deutliche Wandlung durch, von einem tollen, vielschichtigen Charakter, der die “böse” Seite viel plastischer wirken ließ, hin zu einem Charakter, der mich auf sehr unangenehme Art an Hekat aus Karen Millers “Die Herrscherin” erinnert hat, jemand der mir nicht einfach nur unsympathisch war, sondern den ich wirklich gehasst habe, einer dieser schrecklichen Charaktere, die auf morbide Art und Weise und ohne Rücksicht auf Verluste “Gottes Willen” umsetzen. Zwischendurch hatte die gegenwärtige Inevera immer mal wieder seltsame Rückfälle, bei denen sie wieder näher an ihr früheres Selbst heranrückte, aber die haben nur dazu geführt, dass sie mir als Charakter noch schlechter konstruiert und noch bruchstückhafter und eindimensionaler vorkam.
Zusätzlich hatte ich zwischendurch wirklich mit den ganzen Phantasiewörtern und Bezeichnungen zu kämpfen, hauptsächlich natürlich in den Abschnitten, die aus der Sicht von Inevera, Jardir und Co. waren. Klar, es gibt einen umfangreichen Glossar am Ende, in dem all diese Begriffe erklärt sind, aber teils waren es einfach so viele auf einem Haufen, dass ich schlicht und ergreifend den Überblick verloren habe. Da ich außerdem immer wieder das Gefühl hatte, dass einige Erzählstränge nicht wirklich zur Handlung beigetragen haben, hat das dazu geführt, dass ich zum Ende hin immer mehr Abschnitte einfach nur überflogen habe und auch das irgendwie völlig idiotisch angesetzte Ende hat mich dann nicht mehr wirklich begeistern können.
Insgesamt hatte ich das Gefühl, es gab in diesem Buch einfach zu viele Schichten, die relativ unnötig waren und dafür aber viel zu sehr ausgearbeitet wurden, sodass die eigentliche Geschichte, der Haupthandlungsstrang völlig untergegangen ist. Dabei war die Grundhandlung wirklich gut, aber begeistern konnte mich das Buch einfach nicht.
Im Übrigen ist die deutsche Inhaltsangabe mit der großen Ankündigung über “den letzten Kampf” auch herrlich irreführend. Das klingt, als wäre die Serie nach diesem Buch zu Ende, dabei soll es doch noch mindestens zwei weitere Bände geben und der besagte Kampf kommt gerade mal gegen Ende des Buchs so wirklich ins Rollen… Naja, wie dem auch sei, ich werde mir wohl auch den nächsten Teil noch durchlesen, sobald er denn in ein paar Jahren irgendwann mal erscheint (Warum dauert das eigentlich immer so lange???) und hoffe wirklich, dass er wieder besser wird.

Quelle: http://anima-libri.de/rezension/peter-v-brett-die-flammen-der-dammerung