Rezension zu Der Ring der Jägerin von Andrea Schacht

Der Ring der Jägerin - Andrea Schacht

Hier bin ich irgendwie in verkehrter Reihenfolge an die Serie drangegangen. Aufmerksam wurde ich auf Frau Schacht überhaupt erst durch den ersten Band ihrer dystopischen Serie Kyria & Reb, der mich hellauf begeistert hat. Vorher war sie mir höchstens im Zusammenhang mit historischer Literatur ein Begriff. Da mich “Bis ans Ende der Welt” aber so positiv überrascht hatte, habe ich mich dann auf die Suche nach weiteren für mich interessante Bücher von ihr gemacht und bin dabei über die Jägermond-Serie gestolpert, auch wenn ich zugegeben erstmal etwas skeptisch war, denn Katzen-Fantasy? Ob das was sein kann? Band 1 und 2 der Serie haben mir jedoch schnell gezeigt, dass das sehr wohl was sein kann und haben Lust auf mehr gemacht. Dummerweise hatte ich große Schwierigkeiten mehr zu finden, denn auch wenn es noch eine ganze Reihe an Katzenromanen von Andrea Schacht gibt, interessieren mich davon doch nur die wenigsten so wirklich. Daher habe ich mich wirklich gefreut, als ich “Der Ring der Jägerin” entdeckt habe und sich dieses Buch als Vorgeschichte zu Jägermond entpuppt hat.

Erzählt wird hier die Geschichte von Katharina, einer im Grunde genommen ziemlich verkniffenen jungen Frau, die mir erstmal wenig sympathisch war, teilweise jedoch irgendwie auch mein Mitleid geweckt hat. Denn wirklich Spaß macht ihr ihr Leben nicht und auch mit ihrem Körper ist sie schrecklich unzufrieden und setzt alles daran auf keinen Fall auch nur ein Gramm zuzunehmen, obwohl sie eindeutig viel zu mager ist. Dann allerdings taucht die ziemlich unverschämte Katze Minerva bei Kathy auf und macht sich daran ihr gesamtes Leben auf den Kopf zu stellen. Und das nicht nur mit ihren haarsträubenden Geschichten über Trefelin, das Land der Katzen, und Kathys Vorfahrin, die Heilerin und Hexe Katharina vom Walde, sondern auch in sonst so ziemlich jeder Hinsicht, denn das vorlaute Fellknäuel sieht es gar nicht ein ihre Nase aus dem Privatleben ihres neuen Menschen herauszuhalten. Beide, sowohl Katharina als auch Minerva, waren mir nicht von Anfang an sympathisch und es bedurfte einer nicht ganz so kurzen Phase des Eingewöhnens, bevor ich mit ihnen warm werden konnte, dann jedoch sind sie mir wirklich ans Herz gewachsen.

Dazu kommt, dass Andrea Schacht gekonnt eine sehr dichte Atmosphäre schafft, die mit viel Witz und Humor aber nicht ohne die nötige Ernsthaftigkeit die teils doch sehr ernsten Themen der Geschichte umgibt und diese dadurch sehr fesselnd und eindringlich macht. Auch merkt man hier deutlich, dass dieses Buch mehr als ein Jahrzehnt vor den anderen Büchern, die ich von Frau Schacht gelesen habe, geschrieben wurde.

Die Sprache, die mir bei ihren anderen Büchern anfangs doch ein paar Schwierigkeiten gemacht hat und durch ihre teils sehr ungewöhnliche Struktur ziemlich gewöhnungsbedürftig war, ist hier eine gar nicht vorzufinden. Die kurzen, teils etwas abgehackt wirkenden Sätze mit ihren ständigen Anhängseln, die den Dialogen in den anderen Jägermond Büchern und den beiden Kyria & Reb Bänden teils einen sehr eigenen Charakter gegeben haben, sucht man hier vergeblich. Der Schreibstil ist anders, was aber nicht heißen soll, dass er schlechter ist. Er ist fließender, glatter, so zu sagen “gewöhnlicher” und noch nicht so persönlich definiert wie in den späteren Werken der Autorin. Nichtsdestotrotz ist er bildhaft und atmosphärisch und es gelingt der Autorin ohne weiteres den Leser ganz in den Bann ihrer Geschichte zu ziehen.

Für mich war dieses Buch eine wirklich überraschende und erfrischende Entdeckung, die mich nicht nur als Lektüre voll und ganz überzeugt hat, sonder auch als Einblick in die Entwicklungen eines Autors sehr spannend war.

Quelle: http://anima-libri.de/rezension/andrea-schacht-der-ring-der-jagerin