New York 2083: Roaring Twenties meet Romeo & Julia

Bitterzart  - Gabrielle Zevin

Zu aller erst einmal: Ich LIEBE dieses Cover. Die gesamte Designart, die Farben, das alles wirkt einfach so stimmungsvoll und passt perfekt zum Buch. Jedes Detail, von den Kakaobohnen bis zur New Yorker Skyline, passt genau zur Geschichte, was dieses Cover zu einem der passendsten Buchcover macht, das ich seit langem gesehen habe.

 

Und nun zur Geschichte: Mit der ist es mir ganz ähnlich ergangen, wie mit dem Cover. Schon auf den ersten Seiten erschafft Gabrielle Zevin hier eine Atmosphäre, die mich sehr an Geschichten aus dem New York zur Zeit der Prohibition erinnert haben und ganz ähnlich ist die Situation auch in Zevins New York, siebzig Jahre in der Zukunft. Nur ist es hier nicht der Alkohol, der illegal ist sondern es sind Kaffee und Schokolade. Und im Zentrum des Handels mit dieser illegalen Ware steht die Balanchine Familie.

Protagonistin von “Bitterzart” ist die 16-jährige Anya Balanchine, die Tochter des ehemaligen Mafiabosses, deren Eltern beide bereits verstorben sind und die nun so gut wie irgend möglich versucht sich selbst, ihre Geschwister und die kranke Großmutter aus dem Familiengeschäft herauszuhalten. Und sie ist verliebt. In niemand anderen als Win, den Sohn von New Yorks Oberstaatsanwalt. Und dieser ist verständlicher Weise nicht allzu begeistert von der Beziehung seines Sohnes.

Damit schaft die Autorin nicht nur diese schon erwähnte gerade zu nostalgisch anmutende Atmopshäre, die mir in Kombination mit den dezenten futuristischen Elementen der Geschichte wirklich hervorragend gefallen hat und für einen absolut faszinierenden Hintergrund für diese Geschichte sorgt, sondern gibt dem ganzen tatsächlich auch ein gewisses Romeo und Julia Feeling, denn die Stimmung zwischen den Familien unserer beiden Verliebten hier ähnelt der zwischen Capulets und Montagues in Shakespeare Tragödie doch deutlich.

Und auch die Charaktere, allen voran Anya, fand ich wirklich toll. Zevin versteht es hervorragend Anya mit all ihren Konflikten, die entstehen wenn eine 16-Jährige unerwartet quasi zum Oberhaupt einer Mafiafamilie wird, auf realistische und sehr greifbare Art zu schildern, sodass es für mich wirklich sehr leicht war, ihr durch diese Geschichte, durch dieses Stück ihres Lebens zu folgen. Dabei konnte ich gar nicht anders, als sie für ihre Stärke zu bewundern und mich gleichzeitig darüber zu freuen, wenn sie die Chance hatte, das Kind, das sie ja doch eigentlich noch ist, raus zu lassen. Auch die anderen Charaktere waren allesamt faszinierend und sehr facettenreich, sie alle haben hervorragend in diese Welt gepasst und der Geschichte sehr viel Tiefe verliehen.

Alles in allem ist “Bitterzart” von Gabrielle Zevin eine faszinierende Mischung aus einer Art Weiterentwicklung/Renaissance der Roaring Twenties mit einem großzügigen Touch Romeo und Julia, die durch die vielschichtigen Charaktere und den lockeren, prägnanten Schreibstil der Autorin zu etwas ganz besonderem wird. Lesen!

Quelle: http://anima-libri.de/rezension/gabrielle-zevin-bitterzart