Leider nicht mein Fall

Madison Avery - Totgeküsste leben länger - Kim Harrison

Seit ich vor Jahren den ersten Band von Kim Harrisons mittlerweile 10-bändiger Rachel Morgan Serie gelesen habe, bin ich ein Riesenfan der Autorin. Ihre Urban Fantasy Romane haben mich allesamt begeistert, obwohl ich bei Serien oft nach den ersten zwei oder drei Bänden einfach die Lust verliere. Deshalb war ich auch lange skeptisch, ob ich ihre Jugendbuchserie “Madison Avery” lesen soll, habe mich letztendlich aber doch an den ersten Band “Totgeküsste leben länger” gewagt. Und wurde leider enttäuscht.

 

Versteht mich nicht falsch, dieser Serienauftakt und die Geschichte um die 17-jährige Madison Avery ist nicht schlecht, kann in meinen Augen aber einfach nicht mit den Romanen um Rachel Morgan mithalten, vor allem qualitativ. Ein wenig hatte ich den Eindruck, dass die Autorin hier von allem eine “Light-Version” geschaffen hat, um ihre Geschichte Jugendbuch-tauglich zu machen.

Inhaltlich ist diese Serie dabei in keinster Weise mit der “Rachel Morgan”-Serie zu vergleichen, aber es waren die technischen Dinge, die mich an letzterer so begeistert haben, die ich hier weitestgehend vermisst habe. Dazu gehören vor allem der ausgeklügelte Wortwitz, die liebenswerten Charaktere und die spannende Welt, die die Autorin erschafft.

Die Sache mit dem Wortwitz mag auf die Übersetzung zurück zu führen sein, denn gerade die Reime, die einer der Charaktere, Schutzengel Grace, des öfteren von sich gibt, wirken unbeholfen und kommen im Original vermutlich deutlich besser rüber. Aber auch sonst wirkt die Ausdrucksweise der Charaktere, allen voran Madison selbst, teils sehr gestelzt und der Witz erzwungen, als wäre man hier krampfhaft um ein jugendliches Flair bemüht gewesen.

Und genau darunter leiden auch die Charaktere. Denn eigentlich war mir Madison wirklich sympathisch, ich konnte mich prima in ihre Situation hineinversetzen und mit ihr mitfühlen und auch die anderen Charaktere an sich waren interessant. Aber leider wirkten sie stellenweise eben alle gestelzt, erzwungen und krampfhaft auf YA-Material getrimmt.

Die Welt, bzw. generell der Inhalt/Hintergrund der Story, haben mir an sich richtig, richtig gut gefallen. Die Thematik ist einmal etwas ganz anderes, innovativ, aufregend und interessant und eigentlich auch ganz gut umgesetzt. Aber mir fehlte auch hier die Tiefe und an einigen Stellen einfach auch die Details. Teilweise hatte ich das Gefühl, mir würden wichtige Infos fehlen, die aus irgendeinem Grund als gegeben vorausgesetzt wurden, vllt. einfach rausgekürzt wurden, ich weiß es nicht.

Das alles klingt jetzt sehr viel schlimmer als es wirklich ist, denn im Grunde genommen hat es Spaß gemacht, “Totgeküsste leben länger” zu lesen und ich werde auch den zweiten Band, “Der Tod trägt Turnschuhe”, lesen, aber für mich reicht es hier einfach nicht für mehr als eine ganz unterhaltsame Zwischendurch-Lektüre.

Fazit: “Totgeküsste leben länger” ist der humorvolle und spannende Auftakt zu Kim Harrisons Jugendbuchserie Madison Avery und für viele, gerade jüngere, Leser bestimmt durchaus lesenswert, im Vergleich zur Rachel Moragn Serie der Autorin für mich aber qualitativ eine Enttäuschung.

Quelle: http://anima-libri.de/rezension/kim-harrison-madison-avery-totgekusste-leben-langer