Düstere Mischung aus Vampiren und Dystopie

Unsterblich. Tor der Dämmerung  - Julie Kagawa

Erst Feen, jetzt Vampire. Julie Kagawas “Plötzlich Fee” Serie hat mir im Großen und Ganzen ja wirklich gut gefallen, aber Vampire? Von denen habe ich die Nase eigentlich voll. Allerdings gibt es bei Frau Kagawa nicht nur Vampire, sondern dystopische/post-apokalyptische Vampire! Und auch wenn mir beide Genres an sich, Vampire und Dystopien, mittlerweile irgendwie auf den Geist gehen, die Mischung macht’s bekanntlich und daher war ich wirklich gespannt auf Kagawas neustes Werk “Das Tor der Dämmerung”.

 

Und war wirklich positiv davon überrascht. Dabei sind mir besonders die Vampire positiv aufgefallen, denn die glitzern nicht einmal ansatzweise! Juchee! Ganz im Gegenteil, denn diese Vampire haben keine Skrupel dabei Menschenblut zu trinken und dass jeder von ihnen wenigstens einen Menschen auf dem Gewissen hat, ist, in Ermangelung eines besseren Vergleichs, so sicher wie das Amen in der Kirche. Endlich einmal wieder bösartige Vampire!

Dementsprechend ist auch die Grundstimmung in diesem Buch eher düster und Kagawa schreckt nicht davor zurück ihre Charaktere, und vor allem auch ihre Protagonistin Allison, das spüren zu lassen. Zwar kommt auch “Das Tor der Dämmerung” nicht ganz ohne diesen irgendwie weich gespülten Effekt aus, der die meisten YA-Bücher prägt, aber er fällt erfrischend gering aus, sodass er mich nicht weiter gestört hat, was doch eine ziemliche Ausnahme ist.

Dabei verwebt die Autorin gekonnt herkömmliche Vampirmythen mit ganz neuen, eigenen Ideen, sodass eine düstere, exotische Welt vorstellt, die doch irgendwie noch nah genug an unserer eigenen Welt dran ist und genügend Elemente aus dieser sowie genügend Ängste von uns Menschen aufgreift, sodass man sich doch irgendwie mit dieser Welt verbunden fühlt und sich in sie hineinversetzen kann. Kagawa reizt die Grenzen des YA-Genres hier übrigens so weit aus wie nur irgend möglich, gerade im Bezug auf Gewalt und Brutalität – allerdings ist mir dabei positiv aufgefallen, dass sie es nicht übertreibt und ins Geschmacklose abdriftet sondern immer im Rahmen dessen bleibt, was zur Geschichte passt.

Dazu kommen die Charaktere, angefangen natürlich mit Allison, die diese Geschichte gekonnt abrunden. Allison ist stark und mutig, doch was schon kurz nach Beginn der Geschichte passiert, wirft auch sie völlig aus der Bahn. Ich fand es wahnsinnig erfrischend, dass Kagawa keine Heldin geschaffen hat, die von allen Katastrophen und Desastern mysteriöserweise verschont wird bzw. wie durch ein Wunder keine bleibenden Schäden davon trägt, sondern dass Allison im Laufe der Geschichte doch arg mitgespielt wird. Das machte sie für mich als Charakter sehr viel greifbarer und realistischer. Dazu kamen diverse Nebencharaktere, die Allison auf ihrer Reise trifft und die mich vor allem durch ihre Vielfältigkeit und Individualität begeistert haben.

Alles in allem hat mir “Das Tor der Dämmerung” wirklich positiv überrascht. Es gibt ein paar Holprigkeiten in der Erzählung, Stellen an denen der Stil etwas zu glatt wird und gerade am Anfang auch die eine oder andere kleine Länge, aber alles in allem fand ich es toll. Die Geschichte ist ganz anders als die “Plötzlich Fee” Serie, auf eine düstere Weise faszinierend und definitiv eine der besseren dystopischen/post-apokalyptischen Geschichten, die es so gibt.

Quelle: http://anima-libri.de/rezension/julie-kagawa-das-tor-der-dammerung