Sehr viel mehr als nur ein wunderschönes Cover

Das Dunkel der Seele: Die Erleuchtete 1 - Roman - Aimee Agresti

Mit ihrem Debütroman “Das Dunkel der Seele” hat mich Aimee Agresti wirklich überrascht. Zwar hat mich das Cover von Beginn an wirklich verzaubert, aber die Inhaltsangabe hat dann doch dazu geführt, dass ich eine eher mittelmäßige und durchschnittliche Geschichte hinter dem wunderschönen Cover vermutet habe. Durchschnittlich war die Geschichte von Haven allerdings so gar nicht, auch wenn sie doch einige irgendwie nervige Klischees aufgewiesen hat. Aber von vorne:

 

Haven Terry, die Protagonistin dieses Romans, ist erstmal ziemlich 08/15. Nicht im Sinne von “sie ist ein ganz normaler Teenager” sondern eher im Sinne von “sie ist nicht gerade die ausgefallenste YA-Heldin”. Im Altern von ca. 5 Jahren wurde Haven völlig verwahrlost und ohne Erinnerungen gefunden, seitdem wächst sie bei einer Pflegemutter auf. Sie ist weitestgehend ein graues Mäuschen, schüchtern und offenbar auch schnell eingeschüchtert, wenn auch überdurchschnittlich intelligent. Nichts wirklich neues soweit.

Ihr bester Freund Dante ist schwul und erfüllt erstmal so ziemlich jedes nur verfügbare Klischee, das es für den schwulen besten Freund nur gibt. Was hätte ich mir gewünscht, dass er entweder hetero oder deutlich weniger klischeehaft ist… Und Nummer drei im Bunde ist Lance, still, zurückgezogen und ziemlich ‘nerdy’ auf den ersten Blick. Alles nicht unbedingt wirklich umwerfend, aber glücklicherweise haben die Charaktere trotz ihrer ersteinmal geringen Originalität von Anfang an einen sympathischen Eindruck gemacht.

Im Kontrast dazu steht das Syndikat, die ‘Crew’ des Lexington Hotels rund um Chefin Aurelia und ihren Assistenten Lucien. Jung, wunderschön, abgehoben und erfolgreich, erregen sie erstmal die Bewunderung des Trios und meine sofortige Abneigung. Aber in diesem Fall ist diese Abneigung meinerseits kein Nachteil oder Hindernis für den Lesefluss gewesen sondern hat, für mich zumindest, sehr gut zur Geschichte gepasst.

Denn die Geschichte, die sich hinter dem wunderschönen Cover zu “Das Dunkel der Seele” verbirgt, ist genau das: düster aber auch zauberhaft und das Böse in Form des Syndikats passt perfekt in das Szenario hinein. Und auch die erst einmal völlig durchschnittlichen Charaktere passen erstaunlich gut dazu.

Sie geraten völlig unvorbereitet in die Fänge des Syndikats und ab diesem Punkt haben mich die Charaktere dann wirklich in ihren Bann gezogen, denn hier wird deutlich, dass sich die Autorin wirklich gut darauf versteht das Innenleben ihrer Charaktere anschaulich zu schildern inklusive ihrer Emotionen und Aktionen und vor allem der daraus resultierenden Entwicklung. Im Gegensatz zu vielen anderen YA-Büchern gibt es hier nämlich tatsächliche Charakterentwicklung und die hat mich nicht nur positiv überrascht sondern auch sehr überzeugt.

Durch den bildhaften Schreibstil der Autorin, der zwar reich an Metaphern aber zum Glück nicht blumig ist, und die ausführlichen Beschreibungen – die allerdings nie so sehr ins Detail gehen, dass es langatmig werden würde – entsteht nicht nur die herrlich düstere Atmosphäre, die die Geschichte für mich so faszinierend gemacht hat, sondern lässt auch Charaktere wie Szenerie quasi lebendig werden.

Alles in allem hat mich “Das Dunkel der Seele” wirklich rundherum überrascht und sich als so viel mehr herausgestellt als nur ein wunderschönes Cover, sodass ich das Buch nur jedem Fan von YA Urban Fantasy empfehlen kann.

Quelle: http://anima-libri.de/rezension/aimee-agresti-das-dunkel-der-seele