Zu 'filmisch' für meinen Geschmack...

Der Fluch des Denver Kristoff   - Chris Columbus, Ned Vizzini, Anke Knefel

Ein Jugendroman von Erfolgsregisseur Chris Columbus… Ich muss ehrlich sagen, dass ich doch eher zwiegespalten war, was diesen Roman angeht. Und leider, leider haben sich meine Befürchtungen dann auch bestätigt: “House of Secrets” basiert auf einer tollen Idee, aber leider hat das Buch für mich einfach nicht so ganz funktioniert.

 

Im Grunde genommen hat “Der Fluch des Denver Kristoff” alles, was ein gutes Fantasy-Abenteuer-Kinderbuch braucht. Drei junge Helden und jede Menge abenteuerlicher Gestalten. Nur ist die Umsetzung meiner Meinung nach eben unglücklicherweise nicht so gut gelungen wie es möglich gewesen wäre.

Von der Aufmachung und Strukturierung her ist das Buch definitiv an jüngere Leser von ca. 10 Jahren gerichtet, die Kapitel sind relativ kurz, die Sätze klar strukturiert und auch die Sprache ist leicht verständlich, allerdings steht der Inhalt meiner Ansicht nach ab einem gewissem Punkt im deutlichen Gegensatz dazu.

Denn die Geschichte, die sich hinter “House of Secrets: Der Fluch des Denver Kristoff” versteckt, ist zwar eine wundervolle, fantastische Abenteuergeschichte, aber leider auch eine ziemlich brutale. Besonders gestört hat mich dabei die Art, auf die die drei Geschwister mit den Katastrophen umgehen, mit denen sie konfrontiert werden. Nämlich weitestgehend gar nicht. Es ist als wäre alles, was geschieht, egal, weil es ja eh nur ein einziges großes Abenteuer und nicht real ist und das hat mich doch ziemlich gestört, hier hätte ich mir mehr Reflexion und realistischere Reaktionen gewünscht.

Außerdem merkt man dem Buch an, dass die Autoren viel Kinoerfahrung haben und das ist nicht unbedingt positiv gemeint. Denn auch wenn das Buch dadurch voller Action und Spannung steckt, liest es sich eher wie ein Filmskript denn ein Roman. Als Film würde sich das Buch bestimmt toll machen, aber beim Lesen hat man stellenweise das Gefühl, dass die Logik nicht immer ganz so konstant ist, wie sie sein sollte. Schade.

Auch die Walker-Geschwister fand ich an sich sehr gut, sie sind drei ganz unterschiedliche Kids, Cordelia, die Älteste, ein Bücherwurm und sehr intelligent, Brendan, der Mittlere, Sportskanone und Möchtegernheld, und Eleanor, das Nesthäkchen, verunsichert durch ihre Lese- und Rechtschreibschwäche. Alles in allem also ein ziemlich typisches Geschwister-Trio (und ja, mich hat diese ganze Geschichte nicht nur einmal irgendwie an Narnia erinnert), aber durchaus sympathisch. Nur der oben bereits erwähnte irgendwie unpassende und unrealistische Umgang mit manchen Situationen hat mich hier etwas gestört.

Alles in allem fand ich dieses Buch von der Idee her wirklich gut und interessant und es hatte sicherlich auch seine spannenden Momente, aber ich fand es leider in Sachen Umsetzung nicht so gelungen, wie ich mir das gewünscht hätte. Das Buch wirkt zu sehr wie die Grundidee für einen Film und ist vor allem zwar offensichtlich für Kinder konzipiert, aber inhaltlich nicht wirklich für junge Leser geeignet. Wirklich schade, das Buch hat definitiv Potenzial.

Quelle: http://anima-libri.de/rezension/chris-columbus-jed-vizzini-house-of-secrets-der-fluch-des-denver-kristoff